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Kondenswasser am Fenster: Ursachen und was hilft

Nach einem Fenstertausch beschlagen bei vielen Haushalten plötzlich die Scheiben, obwohl vorher nie etwas war. Das ist der häufigste Grund für Reklamationen nach einer Sanierung, und in den allermeisten Fällen ist das Fenster nicht defekt.

Wie Kondenswasser entsteht

Warme Luft nimmt mehr Feuchtigkeit auf als kalte. Luft mit 20 Grad kann etwa 17 Gramm Wasser je Kubikmeter halten, bei 10 Grad sind es nur noch 9 Gramm.

Trifft warme, feuchte Raumluft auf eine kalte Oberfläche, kühlt sie ab und kann die Feuchtigkeit nicht mehr halten. Sie fällt als Wasser aus. Die Temperatur, bei der das passiert, heißt Taupunkt.

Bei 20 Grad Raumtemperatur und 50 Prozent Luftfeuchte liegt der Taupunkt bei etwa 9,3 Grad. Jede Oberfläche, die kälter ist, beschlägt.

Warum gerade nach dem Fenstertausch

Alte Fenster waren undicht. Durch die Fugen entwich ständig feuchte Luft, ohne dass jemand lüften musste. Das kostete Heizenergie, hielt aber die Luftfeuchte unten.

Neue Fenster schließen dicht. Die Feuchtigkeit, die eine vierköpfige Familie täglich produziert, etwa 10 bis 15 Liter durch Atmen, Kochen, Duschen und Wäsche, bleibt jetzt im Raum.

Die Luftfeuchte steigt, der Taupunkt steigt mit, und plötzlich beschlagen Flächen, die vorher trocken blieben. Das Fenster hat das Problem nicht verursacht, es hat es sichtbar gemacht.

Wo genau beschlägt es

Die Stelle verrät die Ursache.

Innen auf der Scheibe, am unteren Rand: zu hohe Luftfeuchte im Raum. Die Glaskante ist die kälteste Stelle des Fensters, weil dort der Randverbund sitzt. Bei alten Alu-Abstandhaltern tritt das deutlich früher auf als bei einer warmen Kante.

Innen in der Laibung oder in der Fensterecke: Wärmebrücke im Anschluss. Das deutet auf einen Einbaufehler oder auf eine ungedämmte Laibung hin. Hier besteht Schimmelgefahr, das gehört geprüft.

Außen auf der Scheibe: kein Fehler, sondern ein gutes Zeichen. Bei sehr guter Dämmung bleibt die äußere Scheibe kalt, weil keine Wärme von innen nachkommt. In klaren Nächten kühlt sie unter die Außenlufttemperatur ab und beschlägt von außen. Das verschwindet mit der Morgensonne.

Zwischen den Scheiben: das ist tatsächlich ein Defekt. Der Randverbund ist undicht, das Füllgas entweicht, Feuchtigkeit dringt ein. Hier hilft nur der Austausch der Verglasung. Melden Sie das über Kontakt.

Die richtige Luftfeuchte

Im Wohnbereich sollten 40 bis 60 Prozent relative Luftfeuchte herrschen. Unter 40 Prozent wird die Luft unangenehm trocken, über 60 Prozent steigt die Schimmelgefahr deutlich.

Ein Hygrometer kostet wenige Euro und ist die beste Investition nach einem Fenstertausch. Stellen Sie es nicht auf die Fensterbank, sondern in Raummitte, etwa auf Sitzhöhe.

Richtig lüften

Kippen ist die schlechteste Methode. Die Luft wechselt kaum, dafür kühlt die Laibung über Stunden aus, und genau dort entsteht dann Schimmel. Ein dauerhaft gekipptes Fenster im Winter ist die häufigste Ursache für Schimmel in Altbauten.

Richtig ist Stoßlüften: Fenster ganz auf, für fünf bis zehn Minuten, zwei- bis viermal täglich. Besser noch Querlüften, also gegenüberliegende Fenster gleichzeitig öffnen, dann genügen drei bis fünf Minuten.

Im Winter geht das schneller als im Sommer, weil der Feuchteunterschied größer ist. Die Möbel und Wände kühlen in dieser Zeit nicht aus, nur die Luft wird getauscht, und die ist schnell wieder warm.

Nach dem Duschen und Kochen sofort lüften, nicht erst abends. Wäsche möglichst nicht in der Wohnung trocknen, ein Trockengestell gibt zwei bis drei Liter Wasser an die Raumluft ab.

Wenn Lüften nicht reicht

In Wohnungen, die tagsüber leer stehen, lässt sich nicht bedarfsgerecht lüften. Dann sind Lüftungselemente im Fensterrahmen eine Lösung. Sie sorgen für einen kontrollierten Grundluftwechsel, ohne dass jemand daran denken muss.

Das Gebäudeenergiegesetz verlangt bei größeren Sanierungen ohnehin ein Lüftungskonzept nach DIN 1946-6. Wenn Sie mehr als ein Drittel der Fenster tauschen, sollten Sie das prüfen lassen, siehe Energieberatung.

Möbel und Vorhänge

Ein Schrank direkt vor der Außenwand verhindert, dass warme Luft an die Wand kommt. Dahinter bleibt die Wand kalt, und dort schlägt sich Feuchtigkeit nieder. Halten Sie mindestens fünf Zentimeter Abstand.

Dasselbe gilt für bodenlange Vorhänge vor dem Fenster und für Fensterbänke, die den Heizkörper überdecken. Die warme Luft muss an der Scheibe entlangstreichen können, sonst kühlt sie aus.

Weiterführend

Welche Verglasung welchen Randverbund hat, sehen Sie im Konfigurator. Warum der Uw-Wert die Oberflächentemperatur bestimmt, erklärt der Beitrag U-Werte verstehen. Was beim Einbau schiefgehen kann, steht unter Montage und im Beitrag Vor dem Einbau.

Häufige Fragen

Ist beschlagenes Glas ein Reklamationsgrund?

Nur bei Beschlag zwischen den Scheiben. Innen und außen ist es ein physikalischer Vorgang, kein Mangel.

Warum beschlagen nur manche Fenster in der Wohnung?

Weil sich Feuchtigkeit im kältesten Raum sammelt. Meist ist das das Schlafzimmer, weil dort nachts weniger geheizt wird und gleichzeitig Menschen atmen.

Hilft ein Luftentfeuchter?

Er lindert das Symptom, löst aber die Ursache nicht. Regelmäßiges Stoßlüften ist wirksamer und kostet nichts.

Wie schnell entsteht Schimmel?

Bei dauerhaft über 70 Prozent Oberflächenfeuchte innerhalb weniger Wochen. Handeln Sie also früh, sobald Sie regelmäßig Kondenswasser sehen.

Muss ich im Winter mehr lüften als im Sommer?

Öfter, aber jeweils kürzer. Kalte Außenluft ist trockener und nimmt beim Aufwärmen viel Feuchtigkeit auf.

Vom Lesen zum Preis

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